Inhaltsübersicht

Einleitung

Kategorien durchsuchen

Autoren durchsuchen

AB

Alberto Boffi

AL

Alessia Longo

AH

Al Hoge

AB

Aljaž Blažun

BJ

Bernard Jerman

Bojan Čontala

CF

Carsten Frederiksen

CS

Carsten Stjernfelt

DC

Daniel Colmenares

DF

Dino Florjančič

EB

Emanuele Burgognoni

EK

Eva Kalšek

FB

Franck Beranger

GR

Gabriele Ribichini

GC

Glacier Chen

GS

Grant Maloy Smith

HB

Helmut Behmüller

IB

Iza Burnik

JO

Jaka Ogorevc

JR

Jake Rosenthal

JS

Jernej Sirk

JM

John Miller

KM

Karla Yera Morales

KD

Kayla Day

KS

Konrad Schweiger

LW

Leslie Wang

LS

Loïc Siret

LJ

Luka Jerman

MB

Marco Behmer

MR

Marco Ribichini

ML

Matic Lebar

MS

Matjaž Strniša

ME

Matthew Engquist

ME

Michael Elmerick

NP

Nicolas Phan

OM

Owen Maginity

PF

Patrick Fu

PR

Primož Rome

RM

Rok Mesar

RS

Rupert Schwarz

SA

Samuele Ardizio

SK

Simon Kodrič

SG

Søren Linnet Gjelstrup

TH

Thorsten Hartleb

TV

Tirin Varghese

UK

Urban Kuhar

VP

Valentino Pagliara

VS

Vid Selič

WK

Will Kooiker

Stromabnehmer- und Oberleitungstests mit Dewesoft und CETEST

GS

Grant Maloy Smith

CETEST

January 22, 2026

In der dynamischen Welt der Schienenverkehrstests entsteht Innovation durch Zusammenarbeit. Seit über einem Jahrzehnt demonstrieren CETEST und Dewesoft beispielhaft das Potenzial von Partnerschaften, indem sie gemeinsam die Grenzen der Schienenverkehrstests – im Feld wie im Labor – verschieben. Ihr geteiltes Engagement für Präzision, Anpassungsfähigkeit und Exzellenz hat Herausforderungen in Meilensteine verwandelt und die branchenweiten Standards für Tests im Schienenverkehr angehoben. Die multiattributive Erprobung und Überwachung geht dabei weit über das reine Messen hinaus. Ihr Ziel ist es, tiefere Einblicke zu liefern und Innovationen zu beschleunigen, sei es zur Entwicklung neuer Produkte oder zur Erreichung operativer Exzellenz.

Pantograph and Catenary Testing with Dewesoft and CETEST

Einleitung

CETEST ist ein in Spanien ansässiges Test- und Analysezentrum. Es ist nach ISO/IEC 17025 akkreditiert und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Schienenverkehrstechnologie. In dieser Zeit hat das Zentrum mit führenden globalen Herstellern wie Alstom, CAF, Hitachi, Stadler und Siemens zusammengearbeitet. CETEST besitzt branchenführende Expertise in der Interaktion zwischen Stromabnehmern und Oberleitungen. Die Qualität dieser Interaktion spielt nicht nur eine kritische Rolle bei der Stromversorgung des Fahrzeugs, sondern wirkt sich auch auf die Wartungskosten aus. 

Carlos Carmuega Tena, Qualitätsleiter bei CETEST und damit verantwortlich für Tests und Messungen, spielt in diesen Bemühungen eine zentrale Rolle. Er und sein Team haben ein hochpräzises Instrumentierungssystem für Kontaktkraft- und Beschleunigungsmessungen entwickelt, das unter Berücksichtigung von Hunderten von Parametern bereits auf zahlreichen Schienenverkehrssystemen getestet worden ist.

Abb. 2: Carlos Carmuega Tena von CETEST (links) mit Dewesoft-Gründer Dr. Jure Knez am Dewesoft-Hauptsitz in Slowenien

Dewesoft ist einer unserer wichtigsten Lieferanten und stellt uns Software und Hardware zur Verfügung, mit der wir Tests innerhalb sehr enger Zeitrahmen durchführen können. Durch ihre Modularität bieten uns diese Produkte große Flexibilität bei der Instrumentierung, da sich die Kanalanzahl mühelos erweitern oder reduzieren lässt.

Dank Dewesoft können wir komplexe Konfigurationen und Instrumentierungen schneller umsetzen, mehrere Kanäle synchronisieren und Ausrüstung in anspruchsvollen Umgebungen wie Hochspannungsbereichen einsetzen – wobei alle Daten weiterhin synchron erfasst werden. Ein Beispiel sind Stromabnehmertests, bei denen wir Messdaten über Glasfasern übertragen.

Die Software ermöglicht es uns außerdem, Daten in Echtzeit zu visualisieren und schnelle Analysen durchzuführen, noch während wir das Fahrzeug testen.

Carlos Carmuega Tena, Qualitätsdirektor, CETEST, Spanien

Dewesoft ist ein Technologieunternehmen, das fortschrittliche Datenerfassungssysteme für ein breites Spektrum an Forschungs-, Entwicklungs- und Überwachungsanwendungen in den Bereichen Schienenverkehr, Bauingenieurwesen, Energie- und Leistungstechnik, Automobil- und Nutzfahrzeugtechnik sowie Luft- und Raumfahrt entwickelt und herstellt. Dewesoft unterstützt CETEST bei zahlreichen Test- und Überwachungsanwendungen im elektrischen Schienenverkehr. Diese Partnerschaft ermöglicht Bahnbetreibern und Fahrzeugherstellern einen nahtlosen Übergang von kontrollierten Laborbedingungen zu realen Tests auf dem Gleis. Sie bietet höchste Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz und hilft Anwendern, durch bewährte Leistung ihre Geschäftserfolge zu steigern.

Die Herausforderung

Die Messung der Interaktion zwischen Stromabnehmer und Oberleitung bei Schienenfahrzeugen birgt vielfältige Herausforderungen. Ein Stromabnehmer ist eine Vorrichtung, die den Zug mit dem Oberleitungssystem verbindet, um elektrische Energie mit Spannungen von 15.000 V oder 25.000 V zur Versorgung der Fahrmotoren zu übertragen. Unabhängig von der Geschwindigkeit des Zuges muss er eine sichere, stabile und zuverlässige elektrische Verbindung aufrechterhalten. Die anspruchsvollste Einsatzumgebung ist die Hochgeschwindigkeitsbahn, die durch hohe elektromagnetische Störpegel (EMI, einschließlich RFI), dynamische mechanische Belastungen und hohen Verschleiß gekennzeichnet ist. Züge verkehren unter unterschiedlichsten Wetterbedingungen, darunter Wind, Regen, Schnee, Eis, Feuchtigkeit und extreme Temperaturen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert fortschrittliche Sensor- und Messtechnologien, eine präzise Dateninterpretation sowie robuste Systeme und Sensoren, die für die Komplexität realer Schienenverkehrsumgebungen ausgelegt sind.

Mit Datenerfassungsinstrumenten von Dewesoft und diversen Spezialsensoren hat CETEST eine Test- und Überwachungslösung für Stromabnehmer und Oberleitungen entwickelt. Der vorliegende Artikel erläutert die wichtigsten beteiligten Subsysteme und deren Prüfung.

Was ist ein Stromabnehmer?

Abb. 3: Typischer Stromabnehmer auf einem Schienenfahrzeug

Züge nutzen häufig Oberleitungssysteme, um eine Verbindung zur Stromversorgung herzustellen. Diese Systeme umfassen einen Stromabnehmer – einen gelenkigen, federbelasteten Mechanismus, der auf dem Dach des Zuges montiert ist und elektrischen Strom von der Oberleitung aufnimmt. Eine gleichmäßige und stabile Interaktion zwischen Stromabnehmer und Oberleitung ist bereits bei konventionellen Zügen von zentraler Bedeutung und gewinnt bei Hochgeschwindigkeitszügen mit Geschwindigkeiten bis zu 350 km/h noch einmal erheblich an Relevanz.   

Abb. 4: Darstellung eines typischen Stromabnehmers aus verschiedenen Blickwinkeln

Stromabnehmer werden in der Regel aus leichten, aber robusten Materialien wie kohlefaserverstärkten Polymeren und Aluminiumlegierungen gefertigt. Sie umfassen üblicherweise einen Unterarm, einen Oberarm und eine Schleifleiste, die oft aus Kohlenstoff oder einem Kohlenstoff-Kupfer-Verbundwerkstoff besteht, um Lichtbogenbildung und Verschleiß zu minimieren. Die Kontaktkraft wird durch pneumatische oder elektronisch gesteuerte Systeme in Echtzeit angepasst, um Einflüsse wie aerodynamischen Auftrieb, Winddruck oder Höhenänderungen der Oberleitung zu kompensieren. Dabei ist Präzision in der Auslegung und Regelung entscheidend, um Kontaktverluste zu minimieren und sowohl den Stromabnehmer als auch die Oberleitung vor Beschädigungen zu schützen.

Was ist ein Oberleitungssystem?

Dieser Artikel konzentriert sich auf Stromabnehmertests; es ist jedoch wesentlich, auch zu verstehen, wie ein Oberleitungssystem aufgebaut ist und wie es mit dem Stromabnehmer interagiert. 

Ein Oberleitungssystem besteht aus gespannten, in gewissem Maße flexiblen Drähten und einer Hauptoberleitung, die elektrische Energie für elektrische Lokomotiven, Straßenbahnen oder Leichtbahnfahrzeuge bereitstellt. Es umfasst einen oder mehrere nicht isolierte Leiter (Fahrdrähte), die über den Gleisanlagen aufgehängt und von Tragwerken wie Rohrmasten, Gittermasten oder Freileitungsbrücken getragen werden. Der Fahrdraht besteht in der Regel aus einer hartgezogenen Kupferlegierung mit hoher Leitfähigkeit und Verschleißfestigkeit. Er wird durch Gewichts- oder Federsysteme unter konstanter Spannung gehalten, um einen zuverlässigen Kontakt mit dem Stromabnehmer des elektrischen Fahrzeugs sicherzustellen.

In manchen Oberleitungssystemen ist ein zweiter Draht, ein sogenanntes Bei- oder Trageseil, oberhalb und parallel zum Fahrdraht angeordnet. Der Fahrdraht ist dabei über eine Reihe vertikaler Drähte, sogenannte Hänger, am Tragseil befestigt. Diese Bauweise erlaubt größere Abstände zwischen den Tragwerken und gewährleistet eine verbesserte Stromabnahme bei hohen Geschwindigkeiten, indem sie den Durchhang des Fahrdrahts reduziert und dessen vertikale Elastizität erhöht.

Oberleitungssysteme sind von zentraler Bedeutung für den elektrischen Schienenverkehr, da sie eine zuverlässige und effiziente Übertragung elektrischer Energie auf die Fahrzeuge ermöglichen. Die Auslegung und Instandhaltung dieser Systeme sind entscheidend für die Gewährleistung eines sicheren und unterbrechungsfreien Betriebs. Bei der Auslegung werden Faktoren wie Spannung, Strombelastbarkeit, Zuggeschwindigkeit und Umgebungsbedingungen berücksichtigt.

Abb. 5: Komponenten eines elektrifizierten Schienenverkehrswegs

Warum ist eine optimale Verbindung zwischen Stromabnehmer und Oberleitung so wichtig?

Eine zuverlässige Verbindung zwischen Stromabnehmer und Oberleitung gewährleistet die kontinuierliche und stabile elektrische Energieversorgung des Zuges. Eine unzureichende Interaktion kann zu Lichtbogenbildung, Energieverlusten oder sogar Stromunterbrechungen führen und dadurch Verspätungen oder betriebliche Störungen verursachen. Eine gute Kontaktqualität verhindert auch Schäden an Infrastruktur und Fahrzeugkomponenten

Übermäßiger Verschleiß, hohe mechanische Beanspruchung oder ungleichmäßige Kontaktkräfte können sowohl die Schleifleisten des Stromabnehmers als auch die Oberleitungsdrähte beschädigen. Dies führt zu erhöhtem Instandhaltungsaufwand, häufigeren Reparaturen und potenziellen Betriebsunterbrechungen. Eine stabile Verbindung verbessert darüber hinaus die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Betriebs, indem sie das Risiko einer Entdrahtung minimiert, also des unkontrollierten Abhebens des Stromabnehmers vom Fahrdraht, das schwere Unfälle und erhebliche Schäden an der Infrastruktur nach sich ziehen kann. Eine gleichmäßige Stromabnahme gewährleistet zudem einen zuverlässigen Fahrbetrieb auch bei hohen Geschwindigkeiten und verringert die Wahrscheinlichkeit von Betriebsunterbrechungen.

Elektrische Probleme

Bogen- und Funkenbildung

  • Kontaktunterbrechungen verursachen Lichtbogen, die Schleifleisten und Oberleitungsdrähte beschädigen.  

  • Erzeugt elektromagnetische Störungen (EMI), die die bordseitige Elektronik beeinträchtigen können. 

Spannungsabfälle und Unterbrechungen der Stromversorgung

  • Unregelmäßige Energieabnahme führt zu Traktionsleistungsverlusten, die Geschwindigkeitsabfälle oder sogar Stillstände des Zuges verursachen können.  

  • Können Notbremsungen auslösen, die entsprechende Verspätungen nach sich ziehen.  

Mechanischer Verschleiß und Schäden

Beschleunigter Verschleiß der Schleifleisten

  • Abrasionen oder Absplitterungen durch ungleichmäßige Kontaktkräfte

  • Zusätzlicher Instandhaltungsaufwand und höhere Kosten  

Oberleitungsschäden

  • Rillen, Kerben oder Brüche in Oberleitungsdrähten erfordern aufwendige Reparaturen.  

Sicherheitsrisiken

Brandgefahr

  • Anhaltende Lichtbogenbildung kann brennbare Materialien entlang der Strecke (z. B. trockene Vegetation) entzünden.  

Verhakung oder Verklemmen des Stromabnehmers

  • Kann in schweren Fällen zur Entdrahtung oder zum Zusammenbruch der Oberleitung führen.  

Leistungs- und Effizienzverluste

Geschwindigkeitsbeschränkungen

  • Unzureichende Kontaktkräfte zwingen Züge zur Reduzierung der Geschwindigkeit und verursachen Störungen in Fahrplänen.  

Energieineffizienz

  • Spannungsschwankungen führen zu erhöhtem Energieverbrauch, z. B. durch Störungen der Bremsenergierückgewinnung.  

Finanzielle und betriebliche Auswirkungen

Höhere Instandhaltungskosten

  • Häufiger Austausch von Stromabnehmern und Oberleitungsdrähten  

Betriebsstörungen

  • Stromunterbrechungen verursachen Verspätungen und Betriebsausfälle.  

  • Nicht geplante Stillstände belasten Schienenbetreiber und Güterlogistik.   

Regulatorische Sanktionen

  • Nichteinhaltung von Sicherheitsnormen (wie EN 50367 oder UIC 794)

Die genannten Faktoren wirken sich auf Effizienz, Kosten und Passagiersicherheit aus. Daher ist eine optimale Interaktion zwischen Stromabnehmer und Oberleitung für moderne Schienenverkehrssysteme unerlässlich.

Stromabnehmertests und Überwachung des Oberleitungsnetzes

Das Testen der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit von Stromabnehmern für 15 kV und 25 kV Wechselstrom erfordert robuste Messtechnik mit hochauflösenden Analog-Digital-Wandlern. Verschiedene Sensoren werden gezielt platziert, um zentrale Parameter der Stromabnehmer-Oberleitungs-Interaktion zu messen. 

Primäres Ziel ist es, konstante Kontaktkräfte sicherzustellen, den Verschleiß des Stromabnehmers und der Oberleitung zu minimieren und Unterbrechungen der Energieversorgung des Zuges zu vermeiden. Maßgebliche Normen sind unter anderem EN 50317 und EN 50367.

Abb. 6: Stromabnehmer mit markierten Messpunkten
Abb. 7: Darstellung eines instrumentierten Stromabnehmers in der Software DewesoftX

Sensoren für Stromabnehmertests und Analysen des Oberleitungsnetzes

Beschleunigungssensoren

Beschleunigungssensoren sind von entscheidender Bedeutung für die Erfassung von Schwingungen und Beschleunigungen an allen Ecken des Stromabnehmerkopfs. Ingenieure analysieren das dynamische Verhalten unter verschiedenen Betriebsbedingungen, wie Geschwindigkeit und Gleisgeometrie, und werten Schwingungsfrequenzen und -amplituden aus, um übermäßiges Springen, dynamische Instabilitäten oder strukturelle Resonanzen zu identifizieren. 

Beschleunigungssensordaten helfen, die Fähigkeit des Stromabnehmers zur Aufrechterhaltung eines stabilen Kontakts mit der Oberleitung zu bewerten und frühzeitig Bereiche zu erkennen, die für Ermüdung oder Beschädigungen anfällig sind.

Kraftsensoren

An jeder Ecke des Stromabnehmers sind Kraftsensoren installiert, um die vertikale Kontaktkraft zwischen dem Stromabnehmerkopf und dem Oberleitungsdraht präzise zu erfassen. Die Aufrechterhaltung einer optimalen Kontaktkraft ist entscheidend: Zu geringe Kräfte können zu Lichtbogenbildung und Kontaktverlusten führen, zu hohe Kräfte zu übermäßigem Verschleiß sowohl des Stromabnehmers als auch der Oberleitung. 

Die Kraftmesskette liefert Echtzeitdaten zur Kontaktkraft und ermöglicht es Ingenieuren, das dynamische Verhalten des Stromabnehmers zu bewerten und die Wirksamkeit der aktiven oder passiven Kraftregelungssysteme zu verifizieren. 

Wegsensoren

Die Überwachung der vertikalen Auslenkung des Stromabnehmers und seiner Höhe relativ zum Gleis und zur Oberleitung ist wesentlich für das Verständnis seines dynamischen Verhaltens und die Einhaltung sicherer Betriebsgrenzen. Zur Ableitung von Geschwindigkeit und Weg aus Beschleunigungssignalen wird die Beschleunigung zeitlich integriert. 

Eine direktere Methode sind Wegsensoren wie Potentiometer oder Seilzuggeber, da sie die vertikale Position des Stromabnehmerkopfs unmittelbar messen. Die Messdaten erlauben die Bewertung der Fähigkeit des Stromabnehmers, den Höhenverlauf des Fahrdrahts nachzuführen, und helfen, übermäßige vertikale Bewegungen zu identifizieren, die zu Kontaktverlust oder mechanischer Überbeanspruchung führen könnten. Zusätzlich zur Erfassung von Kontaktkräften und Beschleunigungen ist das Verständnis der Kraftverteilung entlang der Schleifleiste entscheidend für die Optimierung von Verschleiß und Stromabnahme. 

Darüber hinaus liefert die Messung der Gesamthöhe des Stromabnehmers wichtige Informationen für den sicheren Betrieb und gewährleistet die Einhaltung der zulässigen Lichtraumprofile unter Brücken und in Tunneln.

Infrarotkameras

Infrarotkameras ermöglichen die Messung der Temperatur des Stromabnehmerkopfs, insbesondere der Schleifleiste und des Kontaktbereichs zum Fahrdraht. Erhöhte Temperaturen können auf übermäßige Reibung infolge hoher Kontaktkräfte, unzureichende Schmierung oder Lichtbogenbildung durch Kontaktunterbrechungen hinweisen. 

Die Echtzeitüberwachung der Temperatur erlaubt es Ingenieuren, potenzielle Überhitzungsprobleme frühzeitig zu erkennen, die zu vorzeitigem Verschleiß, Beschädigungen am Stromabnehmer oder an der Oberleitung sowie zu Stromunterbrechungen führen könnten. Die von der Infrarotkamera erfassten Wärmebilder liefern wertvolle Informationen über den Zustand und die Leistungsfähigkeit der Kontaktfläche des Stromabnehmers. 

Kameras der Marke OPTRIS sind für diese Anwendung besonders geeignet und vollständig kompatibel mit den Dewesoft-Datenerfassungssystemen. Im Gegensatz zu konventionellen Temperatursensoren wie Thermoelementen, Widerstandsthermometern oder Thermistoren ermöglichen Infrarotkameras eine berührungslose Messung.

UV-Sensoren

UV-Sensoren eignen sich zur Lichtbogenerkennung. Der UV-Arc-Sensor misst beispielsweise die Intensität und Dauer von UV-Lichtbogenereignissen. Die Bewertung der Kontaktqualität zwischen Stromabnehmer und Fahrdraht ermöglicht die Lokalisierung von Draht- und Leitungsdefekten. Der Sensor erfüllt die Anforderungen der Norm EN 50317 und verwendet eine hochsensitive Fotodiode mit zusätzlichem Filter zur Unterdrückung solarer UV-Strahlung.

Die von diesen Sensoren erfassten Daten werden typischerweise in ein Dewesoft-Datenerfassungssystem zur Echtzeitüberwachung, Aufzeichnung und Analyse eingespeist. Die umfassende Instrumentierung erlaubt es Ingenieuren, die Performance von 15-kV- und 25-kV-Stromabnehmern unter verschiedensten Betriebsbedingungen detailliert zu bewerten, was zur Erhöhung der Zuverlässigkeit, Reduzierung der Instandhaltungskosten und allgemeinen Verbesserung der Sicherheit im Schienenverkehr beiträgt. Die Analyse der Messdaten kann in konstruktive Optimierungen einfließen, die Instandhaltungsplanung unterstützen und wertvolle Einblicke in das Langzeitverhalten von Stromabnehmern sowie deren Interaktion mit der Oberleitungsanlage liefern.

Vernetzte Dewesoft-Datenerfassungstopologie

Das Datenerfassungssystem basiert auf OBSIDIAN-Modulen von Dewesoft, die sowohl für stromabnehmerseitige (nach oben ausgerichtete) als auch für fahrzeuginterne, gleisorientierte Messungen konfiguriert sind. Die robust ausgeführten Module werden aufgrund ihrer hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Stößen, Vibrationen und extremen Temperaturen eingesetzt. Sie unterstützen modulare, galvanisch isolierte Signalaufbereitungskarten mit geeigneter Analog-Digital-Wandlung, die für die Analyse des Gesamtverhaltens erforderlich ist. Zusätzlich bieten sie digitale Schnittstellen zur Anbindung von Kameras, GNSS-Position- und Geschwindigkeitsdaten, inertialen Messeinheiten (IMU) sowie Busdaten aus MVB, CAN oder Ethernet.  

Im Kern der OBSIDIAN-Systeme steht ein ARM-Prozessor mit einem hochstabilen LINUX®-Betriebssystem und der eingebetteten Datenerfassungssoftware DewesoftRT. Das System ist für maximale Stabilität bei Langzeitmessungen ausgelegt und kann Daten in die Cloud oder auf traditionelle SFTP-Server übertragen. 

Abb. 8: Dewesoft-Hardware-Konfiguration für Stromabnehmerüberwachung

Ein mobiler Netzwerkrouter verbindet die zentrale Datenerfassungseinheit und den Logger mit externen Netzen und unterstützt 5G, 4G LTE, 3G sowie WiFi 5 (802.11b/g/n/ac). 

Download und Visualisierung von Daten

Zur Wiedergabe, Validierung und Analyse der von den OBSIDIAN-Modulen aufgezeichneten Messdaten wird die Software DewesoftX eingesetzt. Sie ist im Lieferumfang aller Dewesoft-Systeme enthalten und kann ohne Lizenz- oder Wartungsgebühren über die gesamte Lebensdauer des Systems genutzt werden. Bestimmte erweiterte Analysefunktionen sind optional kostenpflichtig verfügbar. Die Software kann auf mehreren Windows-Computern installiert werden, sodass alle beteiligten Ingenieure Zugriff auf die Messdaten haben.

Loading player...
Loading video...
Abb. 9: Wiedergabe von Stromabnehmer-Testdaten in DewesoftX

Datenvisualisierung jederzeit und überall

Die Software Dewesoft Historian ermöglicht die Visualisierung sämtlicher Messdaten über eine server- und webbasierte Plattform von jedem Standort aus.

Abb. 10: Historian-Software von Dewesoft

Übersicht der Vorteile der skalierbaren Lösung von CETEST und Dewesoft

Die Messung der Interaktion zwischen Stromabnehmer und Oberleitung bzw. Oberleitungsanlage auf Hochspannungsebene ermöglicht die Analyse des Laufverhaltens und der Oberleitungsinfrastruktur, einschließlich:

  • Kraftmessung für Kontaktpositions- und Ermüdungsanalysen


  • (geeignet auch für Stromabnehmersteuerungszwecke)

  • Weg- und Bewegungsmessung


  • (ergänzbar durch elektrische Leistungsmessung und -analyse im Fahrzeug)

  • Schwingungsmessung für Frequenz- und Oszillationsanalyse


  • (ergänzbar durch Drehgestellrahmen- oder instrumentierte Radmessung)

  • Temperaturmessung an der Kontaktstelle mittels Infrarotkamera

Darüber hinaus erstreckt sich das Engagement von CETEST für Präzision und Genauigkeit auch auf die sorgfältige Kalibrierung und Rückverfolgbarkeit der Messdaten. Hierfür dient das eigene, nach ISO 17025 zertifizierte Labor, in dem der vollständig instrumentierte Stromabnehmer kalibriert wird.

Durch die Kombination von fachkundiger Methodik, modernster Ausrüstung und der Einhaltung internationaler Normen wie EN 50317 – dem europäischen Standard für Bahnanwendungen, der Kriterien für die Anforderungen an und die Validierung von Messungen des dynamischen Zusammenwirkens zwischen Stromabnehmer und Oberleitung spezifiziert – leistet CETEST einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit des Schienenverkehrs.

Die Lösung kann um den Dewesoft-Leistungsanalysator ergänzt werden, der die präzise Messung der elektrischen Leistung an Transformatoren und elektrischen Maschinen ermöglicht. 

Das autonome vernetzte Datenlogging für Tests und Langzeitüberwachung bietet:

  • automatisches Hochladen von Datendateien in die Cloud (SFTP) und Infrastrukturanalyse, 

  • kontinuierliche Datenströme zur webbasierten Live-Überwachungssoftware, 

geografisch referenzierte Datenauswertung zur Lokalisierung kritischer Streckenabschnitte.

Fazit

Die Partnerschaft zwischen CETEST und Dewesoft stellt Bahningenieuren eine skalierbare Messlösung zur Verfügung, die eines umfassende multiphysikalische Signalerfassung ermöglicht. Dadurch liefert sie präzise Einblicke in die Schienenverkehrsinfrastruktur, einzelne Systemelemente (wie Drehgestelle und Fahrmotoren), kritische Komponenten (wie Stromabnehmer und Räder) sowie das Gesamtverhalten des Fahrzeugs. Die Skalierung dieser integrierten Lösung erlaubt es Bahningenieuren, datenbasierte Entscheidungen zu treffen, um die Sicherheit und Betriebseffizienz zu verbessern, die Lebensdauer von Bahnanlagen zu verlängern und damit letztlich zu einem zuverlässigeren und effizienteren Schienenverkehrsnetz beizutragen.

Wir laden Sie ein, CETEST oder Dewesoft zu kontaktieren, um Ihr nächstes Bahnprojekt gemeinsam mit Ihnen voranzubringen.

Railway testingElektrische Prüfungen an Eisenbahnen und -netzen